Eine erfreuliche Entwicklung: Laut aktuellen Studien treten Erdnussallergien bei Kindern in den USA seltener auf. Forscher:innen vermuten, dass dies mit veränderten Empfehlungen zur Beikost und zum frühzeitigen Kontakt mit Erdnussprodukten zusammenhängt.
Hintergrund & Problemstellung
Erdnussallergien zählen zu den häufigen Nahrungsmittelallergien, die auch schwere Sofortreaktionen hervorrufen können. In vielen westlichen Ländern stieg die Häufigkeit in den letzten Jahrzehnten deutlich an.
Was zeigen die neuen Daten aus den USA?
- In einer aktuellen großen US-Analyse sank der Anteil der Kinder mit neu aufgetretener Erdnussallergie von etwa 0,79 % auf 0,45 % nach einer Änderung der Leitlinien zur Allergieprävention vom Meiden von Erdnüssen bei Risikokindern bis zum Alter von 3 Jahren hin zum gezielten und frühen Verzehr.
- Dieser Rückgang fällt zeitlich mit vermehrter Einführung von Erdnussprodukten im Säuglings und Kleinkindalter zusammen.
- Eine weitere Studie ergab, dass regelmäßiger Konsum von Erdnussprodukten im Alter von der Beikosteinführung bis zur Vorschulzeit das Risiko einer Allergie bei Jugendlichen um bis zu 71 % senken kann.
Bewertung durch den Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB)
- Im Gegensatz zu den USA ist der Erdnussverzehr in Deutschland generell nicht so weit verbreitet. Daher sind die Empfehlungen zur Einfuhr von Erdnuss in die Ernährung des Kindes aus Gründen der Allergieprävention differenziert zu betrachten.
- Auch in Deutschland empfiehlt die aktuelle Leitlinie zur Allergieprävention Erdnussprodukte in altersgerechter Form im Zuge der Beikosteinführung regelmäßig zu geben. Allerdings im Gegensatz zu den USA – nicht generell, sondern gezielt bei Säuglingen mit Neurodermitis, in deren Familien sowieso Erdnüsse regelmäßig verzehrt werden, da hier ein erhöhtes Sensibilisierungs-Risiko über die Haut angenommen wird. Diesem wird durch den frühen Verzehr, der – anders als lange vermutet – eine Toleranz fördert, begegnet.
- Insbesondere bei Säuglingen mit moderater bis schwerer Neurodermitis soll gemäß der deutschen Präventionsleitlinie allerdings zunächst eine Erdnussallergie ausgeschlossen werden.
- Nicht nur für die Prävention der Erdnussallergie, sondern für die der Hühnerei-Allergie gilt die Einführungs-Empfehlung mit der Beikost. Ei sollte in Form von, durcherhitztem (z. B. verbackenem oder hartgekochtem), aber nicht „rohem“ Hühnerei (auch kein Rührei) eingeführt und regelmäßig gegeben werden.
Praktische Empfehlungen für Eltern & Betroffene
- Bei der Einführung der Beikost kann in Rücksprache mit Fachärzt:innen oder allergologisch spezialisierten Ernährungsfachkräften (s. DAAB Allergie-Wegweiser www.allergiewegweiser.de) bei Risikokindern, in deren Haushalt Erdnüsse verzehrt werden, eine altersgerechte Einführung von Erdnussprodukten erwogen werden.
- Kinder mit erhöhtem Risiko (z. B. Neurodermitis oder familiäre Allergien) sollten engmaschig betreut werden – inklusive Abklärung, ob eine bestehende klinisch relevante Allergie (nicht nur Sensibilisierung!) vorliegt.
- Auch in der Therapie tut sich hier etwas! Therapie setzt nicht mehr ausschließlich auf konsequente Meidung und Vorbereitung auf den Notfall. Insbesondere für Kinder mit einer Erdnussallergie gibt es die Möglichkeit eine „Orale Immuntherapie“ (OIT) durchzuführen, um eine höhere Allergie-auslösende Dosis zu erreichen und damit die Wahrscheinlichkeit und Schwere versehentlicher allergischer Reaktionen zu reduzieren. Ganz neu ist das Konzept des Toleranzerhalts bei bestehender Allergie in Abhängigkeit von der individuellen auslösenden Allergenmenge.
- Aufklärungsangebote und Informationsmaterialien des DAAB (z. B. Online-Seminare, Übersicht zu wohnortnahen Ernährungsfachkräften, Flyer und Ratgeber zur Nahrungsmittelallergie) können Eltern und Fachkräften Unterstützung bieten
Die aktuelle Datenlage lässt hoffen:
Durch frühzeitigen Verzehr von erdnusshaltigen Produkten kann bei Risikokindern in Familien, in denen Erdnüsse verzehrt werden, möglicherweise eine nachhaltige Reduktion von Erdnussallergien erreicht werden. Für die Betroffenen und Familien bedeutet das eine potenziell bessere Lebensqualität. Der DAAB empfiehlt, diese Entwicklung als Aufgabe und Chance zugleich zu verstehen – weiterhin auf Prävention, fundierte Beratung und individuelle Betreuung zu setzen.
➡ Mehr Informationen & Infomaterialien auf der Website des DAAB.
www.daab.de/anaphylaxie
Übrigens:
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