Präparat zur Oralen Immuntherapie von Erdnussallergie wird vom Markt genommen
Der Hersteller Stallergenes Greer hat bestätigt, dass die Produktion des definierten Erdnussprotein-Pulvers, welches als Medikament weltweit unter dem Namen PALFORZIA® erhältlich ist eingestellt wird. Für betroffene Familien und Fachkräfte stellen sich nun wichtige Fragen rund um die Versorgung und Therapieplanung. Der DAAB informiert.
Eine strategische Entscheidung – keine Sicherheitsbedenken
Die orale Immuntherapie (OIT) mit PALFORZIA® galt als Hoffnungsträger in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Erdnussallergie. Ziel der Therapie ist es, das Risiko schwerer allergischer Reaktionen bei versehentlichem Verzehr von Erdnüssen zu senken. Der Hersteller erklärt, dass die nun angekündigte Einstellung des Vertriebs nicht aufgrund von Qualitäts- oder Sicherheitsmängeln erfolgt oder mit der Wirksamkeit der Behandlung zu tun hat. Vielmehr nennt der Hersteller strategische und wirtschaftliche Gründe für den Rückzug – unter anderem eine zu geringe Zahl behandelter Patient*innen und hohe logistische Herausforderungen.
Was bedeutet das konkret für die Versorgung?
Um eine geordnete Auslaufphase zu ermöglichen, hat Stallergenes Greer gemeinsam mit den zuständigen Behörden (EMA und PEI) Übergangsfristen festgelegt.
- Bis 31. März 2026 ist die Packung zur initialen Aufdosierung (PZN 16903164) verfügbar. Danach sollen keine neuen Patient:innen mehr mit PALFORZIA® eingestellt werden.
- Die Dosissteigerungsphasen (Stufen 1 bis 11) bleiben voraussichtlich bis Dezember 2026 verfügbar – um eine kontrollierte Dosissteigerung bis zur Erhaltungsdosis zu ermöglichen.
- Die Erhaltungsdosis (300 mg) wird bis März 2027 erhältlich sein.
Für Familien und Patient:innen in Deutschland bedeutet dies:
- Wenn der Start der Therapie angedacht ist oder Sie auf den Beginn der Behandlung warten
- Wer konkrete Pläne hat, eine orale Immuntherapie zu beginnen, kann aktuell noch versuchen, sich mit einem behandelnden Zentrum in Verbindung zu setzen, um zu erfahren, ob ein Termin für die initiale Aufdosierung bis Ende März möglich ist.
- Wenn Sie bereits auf einer Warteliste für eine Behandlung stehen, sollte sich Ihr Krankenhaus direkt mit Ihnen in Verbindung setzen, um zu besprechen, ob der Therapiebeginn zeitlich durchführbar ist.
- Wenn Ihnen ein Starttermin für die OIT vor Ende März genannt wurde
- Wenn Ihnen bereits der Beginn der Therapie mit einem Termin bestätigt wurde, hat der Hersteller den Krankenhäusern versichert, dass ausreichende Mengen des Medikamentes zur Verfügung stehen, um die Behandlung durchzuführen und abzuschließen.
Wenn Sie bereits in Behandlung sind:
Wenn Sie oder Ihr Kind bereits Palforzia® erhalten, ist die Versorgung zur Fortführung und zum Abschluss der Therapie gesichert. Sie sollten die vorgesehene Dosis weiter gemäß Plan einnehmen und die Empfehlungen befolgen, die Sie bei Ihrem letzten Termin in der Klinik erhalten haben. Wenn Sie Bedenken oder Fragen haben, empfehlen wir Ihnen, diese mit Ihrem Allergieteam zu besprechen, das Sie am besten zu Ihrer individuellen Situation beraten kann.
Unsere Haltung als DAAB
Es ist uns bewusst, dass diese Nachricht für Personen und Familien, die von einer Erdnussallergie betroffen sind, beunruhigend und enttäuschend ist, und wir verstehen die Unsicherheit, die dadurch entstehen kann. Der DAAB bedauert und kritisiert die Entscheidung zur Einstellung des Medikamentes für die orale Immuntherapie bei Erdnussallergie, da es für Familien in Deutschland leider bisher keine Alternativen für die Behandlung der Erdnussallergie gibt. Für die Allergie-Gemeinschaft ist die Entscheidung des Herstellers ein Rückschritt in der Versorgung von Patienten mit Erdnussallergie. In Ländern wie in Deutschland, in denen es keine anderen Optionen für die Durchführung einer OIT bei Lebensmittelallergien gibt, bedeutet dies eine Versorgungslücke. Insbesondere für empfindliche Patienten, die auf sehr kleine Mengen an Erdnuss allergisch reagieren, ist es sinnvoll, eine in ihrer Wirksamkeit und Sicherheit überprüfte Therapieoption zur Verfügung zu stellen.
Als betroffene Familien möchten wir Ihnen versichern, dass es aktuell Forschung zu weiteren Therapieansätzen für Patienten mit Nahrungsmittelallergien gibt. Experten in Deutschland und weltweit arbeiten an weiteren Möglichkeiten, wie beispielsweise der epikutanen Immuntherapie, um Patienten mit Erdnuss- und anderen Allergien zu behandeln. Auch die orale Immuntherapie mit natürlichen Lebensmitteln, die in einigen Ländern bereits angewendet wird, rückt hier für bestimmte Patienten mehr in den Fokus.
Darüber hinaus wäre es jedoch auch wünschenswert, wenn es Rahmenbedingungen gäbe, die derartige Entwicklungen auffangen oder verhindern, besonders dann, wenn es um Medikamente geht, die zum Schutz vulnerabler Patientengruppen einzigartig sind. Der DAAB setzt sich dafür ein und fordert, dass Wege gefunden werden, um Patienten und Familien mit Nahrungsmittelallergien Therapieansätze zu ermöglichen, die jenseits von Karenz und Notfallmanagement liegen, die Sicherheit für den Alltag und damit einhergehend mehr Lebensqualität bieten.
Wir werden über alle neue Entwicklungen und Ansätze berichten und informieren.
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